Der Missionsbus geht in den Ruhestand
21.02.2025 - 25.02.2025Bericht von Silvia Bärnreuther
Mitfahrer: Hannah Sponsel, Heinz Sponsel, Luisa Müller, Hans Herlitz, Thomas Heyder und Otto Audenrith Heiligenstadt/Rumänien - Nach 32 Jahren auf den Straßen Europas endet nun die Reise eines ganz besonderen Fahrzeugs: Der Missionsbus, einst als Bücherbus in Bamberg unterwegs, tritt seine letzte Fahrt an. Doch statt in den Ruhestand zu gehen, wird er in Rumänien eine neue Aufgabe übernehmen.
Ein Leben im Dienst der Nächstenliebe
Ursprünglich als mobiler Bücherbus in Bamberg im Einsatz, übernahm 2001 der Verein „Lasst uns gehen“ in Heiligenstadt den Bus und baute ihn zu einem Missionsbus um. Mit einer großen Ladefläche für Hilfsgüter und einem kleinen Wohnbereich samt Stockbett, Küche, Kühlschrank und Sitzecke wurde er nicht nur zum Transportmittel, sondern auch zum treuen Begleiter für viele Fahrer. So konnte man bei den oft stundenlangen Wartezeiten in den Zollhöfen die Zeit mit essen, schlafen, Unterhaltungen und Karten spielen überbrücken. Durch die Anmeldung als Wohnmobil hatte der Verein viele Vergünstigungen und Vorteile gegenüber eines LKW´s um größere Mengen transportieren zu können. Man konnte sonn- und feiertags fahren, was für berufstätige Mitfahrer von großem Vorteil war, an kilometerlangen LKW-Staus an den Grenzen vorbeifahren und hatte trotzdem 7t Hilfsgüter geladen. An den Grenzen interessierten sich manchmal 6-8 Zöllner für das für ihnen außergewöhnliche Fahrzeug, oftmals wussten die Beamten nicht, in welche Kategorie (Bus, LKW, Wohnmobil) sie es zuordnen sollten. Im Oktober 2001 fand sein erster Hilfstransport nach Turda in Rumänien statt, voll beladen mit 300 Kartons Kleidung. Es folgten im selben Jahr noch 4 weitere Hilfsfahrten.
Unzählige Male brachte er Kleidung, Matratzen, Inkontinenzartikel, Rollstühle und Möbel zu Menschen in Not – vor allem nach Rumänien, Moldawien und in die Ukraine. Neben diesen Hilfsgütern transportierte er im Laufe der Jahre auch außergewöhnliche Ladungen wie z.B. ganze Zahnarztpraxen, oder ausrangierte Klassenzimmerausstattungen. Auch den Kindern im Ahrtal, die durch die verheerende Flutkatastrophe ihr zu Hause und vieles mehr verloren haben, brachte er über 2000 Weihnachtspäckchen im Dezember 2021
Tausende Weihnachtspäckchen für Kinder
Besonders in der Weihnachtszeit spielte der Bus eine wichtige Rolle. Jedes Jahr im Dezember transportierte er tausende Weihnachtspäckchen voller Geschenke für bedürftige Kinder in osteuropäische Länder. Viele der jungen Empfänger erlebten dank dieser Aktion zum ersten Mal die Freude eines eigenen Geschenks.
Das Ende einer Ära - und ein neuer Anfang
Doch nun, nach unzähligen Kilometern und hunderten von Fahrten, ist die Zeit gekommen, Abschied zu nehmen. Die Reparaturkosten sind zu hoch, und die Beschaffung von Ersatzteilen wird zur Herausforderung. Auch Fahrer mit dem richtigen Führerschein sind rar. Der Bus wird ein letztes Mal mit Hilfsgütern beladen und im Februar ein letztes Mal nach Rumänien fahren, wo er von einem Hilfsverein übernommen wird, der ihn u.a. als Lagerraum nutzen möchte.
Ein Dank an alle Helfer und Unterstützer
Dieser Bus war ein Bindeglied zwischen denen die helfen wollten und denen, die Hilfe brauchten. Doch all die Jahre hätte er seine Mission nicht ohne die vielen engagierten Menschen erfüllen können. Ein herzliches Dankeschön gilt allen, die den Verein mit Materiellen oder finanzieller Hilfe unterstützen, sowie denen, die sich Zeit nehmen, um die Fahrten zu begleiten. Auch ein Danke an die vielen Kinder und Eltern, die jedes Jahr fleißig sich an unserer Weihnachtsaktion beteiligen. Gemeinsam mit all diesen Menschen hat auch der Bus dazu beigetragen die Welt ein kleines Stückchen besser zu machen. Friedrich Dorsch, Ehrenvorsitzender des Vereins fällt der Abschied von diesem liebgewonnenen Fahrzeug nach 23 Jahren besonders schwer, da er die meisten Fahrten von allen Beteiligten unternommen hat und viele Erlebnisse und Begegnungen damit verbindet. Mit dem Abschied des Missionsbusses steht der Verein „Lasst uns gehen“ vor einer großen Herausforderung. Noch ist unklar, wie diese Lücke gefüllt werden kann- ein Ersatzfahrzeug gibt es bisher nicht und die Transporte waren ein zentraler Bestandteil der Hilfsarbeit. Der Verein hofft auf neue Möglichkeiten und Unterstützer, um weiterhin Hilfe dorthin zu bringen, wo sie gebraucht wird.
26.05.2026