Hilfsgüterfahrt in die Ukraine
13.09.2025 - 21.09.2025Bericht von Friedrich Dorsch
Mitfahrer: Friedrich Dorsch und Hans Herlitz Der Krieg kommt in der Ukraine immer weiter Richtung Westen ( Drohnen bis an die polnische Grenze und nach Liv/Lemberg, Raketen nach Mukatschewo).
Nach problemloser 15 stündiger Fahrt und einen Tag Aufenthalt in Rumänien, wo man einige Sachen übergab, fuhren Hans Herlitz (Kirchenbirkig) und Friedrich Dorsch (Heiligenstadt) im Namen des Missionvereins „Lasst uns gehen“ Heiligenstadt weiter Richtung ukrainische Grenze. Diese wurde bei hochsommerlicher Temperatur diesmal relativ zügig bewältigt. Am ersten Zielort, das Nehemia Zentrum der Westukrainischen Stadt Uschgorod angekommen, besprach man den weiteren Ablauf für die nächsten Tage. In dieser Anlage sind viele Frauen und Kinder aus der Ostukraine untergebracht, 2 Kinder-gartengruppen, Schulen, Räumlichkeiten für christliche Schulungen und spezielles Personal und Räumlichkeiten für Traumabewältigung. Man berichtete uns über die derzeitige Lage und dass sich die Einwohnerzahl der Stadt durch die vielen Flüchtlinge aus dem Osten um 110 000 verdoppelt hat. Außerdem berichteten sie, dass ihre Stadt bisher von direkten Raketenangriffen verschont geblieben ist, während in der nächstgrößeren Stadt (Mukatschewo) vor 10 Tagen eine amerikanische Fabrik von Raketen zerstört, mehrere Menschen verletzt und einige Häuser beschädigt wurden. Am frühen Morgen wurden wir von lauten Sirenengeheul geweckt, aber es blieb alles ruhig. Als erstes besuchte das Team dann ein Wohnheim mit Hilfsgüterverteillager das mit 25 körperlich und psychisch labilen Jugendlichen und jungen Männern bewohnt wird. Außerdem sind hier noch Flüchtlinge aus der Ostukraine untergebracht. Der Missionsverein unterstützt seit Jahren das Projekt finanziell und mit Hilfsgütern. Diese Sachen werden von den Jugendlichen sortiert, an bedürftige Menschen und Stellen in der Nähe und nach Osten weitergegeben. Der Leiter (Slavic) des Wohnheims berichtete uns, dass die Unterstützung vom Staat gleich Null ist.
Ferner sagte er, dass seit einiger Zeit die Hilfsgüterlieferungen vom Westen stark zurückgegangen sind. Für die Weiterverteilung und auch für die Eigen-versorgung der Bewohner werden ständig dringend haltbare Lebensmittel benötigt. Anschließend begab man sich mit Slavic in ein 40 km entferntes Krankenhaus. Hier wurden die Krankenhausartikel, Matratzen, Verbandsmaterial und Rollatoren (aus Pegnitz, Bamberg und unserem Lager) ausgeladen. Bei einem Rundgang konnte man feststellen, dass das Gebäude, die Räumlichkeiten, die med. Geräte und das Inventar ziemlich marode ist. Im Gebäude roch es auch nicht angenehm. Als man z.B. die Abdeckung vom OP-Tisch anhob, war eine gehörige Rostschicht darunter. Der Leitende Arzt sagte er benötige dringend einen OP-Tisch, Rollstühle, Krücken, Einlagen, Windeln und div. medizinische Geräte.
Auch hier ist die Unterstützung (finanziell und materiell ) vom Staat seit Kriegsbeginn sehr gering. Es waren auch mehrere Unterschenkel-amputierte und verwundete Soldaten in den Zimmern. Auf einer großen ukrainischen Fahne zeigte uns der Arzt die Unterschriften aller bereits hier behandelten Soldaten. In einem kleinen neueren Anbau zeigten sie uns stolz einige schöne Krankenbetten, die auf Nachfrage, aus dem Landkreis Bamberg geliefert wurden. Als ein anderer Arzt erfuhr, dass wir auch aus dem Kreis Bamberg sind, sagte er, dass er einmal im Bezirksklinikum Kutzenberg gearbeitet hat. Auf Nachfrage, sagte der Oberarzt, dass er 550 Euro verdiene, eine Krankenschwester zwischen 300 und 400 Euro, wobei ein Teil der Lebensmittel und die Unterhaltskosten annähernd unser Niveau haben. Am nächsten Tag besuchte wir dann mehrere Familien in der Umgebung, die zu ihren eigenen Kindern bis zu 10 Waisenkinder, Kinder von Armeeangehörigen, Kinder aus dem Osten und Kinder aus sozial zerrütteten Familien als Pflegeeltern versorgen und betreuen. Hier übergaben wir Lebensmittelpakete und Bekleidung. Unter anderem war auch die 12 jährige Iwanka, ein Mädchen, das wir vor 2 Jahren beim Besuch der Pflegefamilie antrafen, dabei, sie hatte damals große Augenprobleme. Durch einen Spendenaufruf konnte das Mädchen operiert und geheilt werden. Sie freute sich über unser kommen und bedankte sich. Wir beteten noch für die Familien und Kinder und verabschiedeten uns.
Am darauffolgenden Tag suchte man ein 50 km entferntes Kinderheim mit Tanja der Leiterin des Nehemia Zentrums auf. Vor 2 ½ Jahren fiel uns dieses Heim bei der Weihnachtspäckchen-Aktion auf, dass es in einem sehr maroden baulichen Zustand war. Die sanitären Anlagen waren defekt, der Boden löchrig und mit einem schäbigen Teppich abgedeckt, der Putz viel von den Wänden und Decken, die Betten waren alt und die Matratzen kaputt. Durch einen größeren Spendenbetrag von einer Stiftung der Realschule Scheßlitz konnte das meiste in Ordnung gebracht werden. Davon konnte man sich jetzt selbst überzeugen. Sie bedankten sich bei den Spendern und das Zutun des Vereins. Am Abend konnten wir uns im Nehemia Zentrum mit einem katholischen Priester aus Mukatschewo austauschen, der hier anfragte, ob er einige Mitarbeiterinnen zu Schulungen ins Zentrum bringen kann.
Am nächsten Tag machten wir uns dann auf den Weg in das 45 km entfernte Mukatschewo, um Irina, eine mittlerweile jungen Frau zu besuchen. Diese war damals 3 Jahre alt, als man sie vor 30 Jahren bei einen Hausbesuch in einem erbärmlichen Zustand vorfand. Ihre Füße waren so verkrüppelt, dass sie weder laufen noch stehen konnte. Durch mehrere Operationen, die durch Spender und dem Missionsverein finanziert wurden, kann sie jetzt mit Gehhilfen gut laufen.
Leider konnten wir unterwegs im Umkreis von Mukatschewo von den dort nur noch wenig lebenden Schönborn-Franken (Vorfahren stammen aus Franken) niemand antreffen. Auf dem Weg weiter kamen wir an der Fabrik vorbei, die durch russische Raketen einige Tage vorher schwer beschädigt wurde, ein großes Aufgebot war gerade mit schweren Gerät bei den Aufräumarbeiten. An einem Friedhof wurde ein Stopp eingelegt, als man die vielen Fahnen von mindestens 50 gefallenen Soldatengräbern sah. Die Mehrzahl der Soldaten waren zwischen 30 und 55 Jahre alt, es waren aber auch ganz junge Kämpfer darunter. Auf den Grabsteinen waren sie über die ganze Größe mit ihrer Kampfausrüstung abgebildet.
Als wir bei Irina außerhalb von Mukatschewo ankamen, wurden wir schon erwartet und sie freute sich über den Besuch. Sie ist jetzt verheiratet, arbeitet in einem Supermarkt und hat ein 2 jähriges Kind, das gerade im Kindergarten war. Wir unterhielten uns, dank der Technik per Smartphon wie es ihr so geht, wie die Wohnverhältnisse und die finanzielle Situation ist. Sie zeigte uns dann ihre Wohnung, die renovierungsbedürftig wäre, aber das Geld dazu fehlt. Wir übergaben ihr einen kleinen Geldbetrag und verabschiedeten uns dann wieder. Als wir am nächsten Tag wieder in Rumänien ankamen suchten wir noch einige uns bekannte Stellen und Mitarbeiter vor Ort auf, die der Verein seit längeren unterstützt.
Dass dies alles so ermöglicht werden konnte, hat der Verein den vielen Spendern, Helfer und Betern zu verdanken. Wer sich von einem dieser Projekte oder Personen angesprochen fühlt, den bitten wir sich mit dem Verein in Verbindung zu setzen, oder einen Geldbetrag mit dem entsprechenden Vermerk auf auf eines der Konten des Vereins zu überweisen. Vielen Dank ! Gott segne Sie!
26.05.2026